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Dorf Trautmanns bei Schweinitz (Prälatur Krummau) im Sudetenland
Ein Artikel von Herbert Fischer, veröffentlicht auf gfraster.at am 25. Dezember 2010
(einige der damaligen Quellen sind leider nicht mehr online zu finden)
Über das Dorf Trautmanns ist nicht viel zu finden - weder ein Chronik, noch Bilder oder Geschichten. Schade eigentlich, denn in diesem kleinen idyllischen Dorf mit einst wie jetzt etwa 36 Häusern und 155 Einwohnern - davon 81 männl., 74 weibl. (laut einer Statistik von 1893 - im Jahr 1930 waren es 142 und 1939: 163) wurden einzelne meiner Vorfahren im 17. Jahrhundert fast 100 Jahre alt! Grund genug, sich mehr damit auseinanderzusetzen.
Heute ist das Dorf Trautmanns unter dem neuen tschechischen Namen "Mezilesí" ein Teil des Nachbarortes Čížkrajice (dt. Sitzkreis). Auf einer tschechischen Seite sind tolle Fotos zu finden: Q01-Trautmanns. Im Folgenden mein Versuch, den dortigen Text zu übersetzen (zumindest teilweise):
Mezilesí zuvor Trutmaň (Trautmanns) ist ein relativ kleines Dorf im Kreis Trhových Svinů (dt. Markt Schweinitz). Das Dorf erstreckt sich entlang eines Baches. Es überwiegen ganz geschlossene rechteckige Bauernhäuser, typisch für diese Gegend. Einige der Höfe haben bereits eine sehr lange Geschichte, zum Beispiel in Nähe von Neudorf (cz. Kondrači). Im Dorf gibt es keine Neubauten, stattdessen wurden die alten Häuser wiederhergestellt und umgebaut. Früher (bis 1945) war es ein überwiegend deutsches Dorf, wodurch es vom Krieg fast ausgeschlossen wurde. (Q01-Trautmanns)
1841 war Trautmanns ein "Dorf von 33 Häusern mit 175 teutschen Einwohnern, liegt 5 St. östlich von Krumau, ist nach Schweinitz eingepfarrt." (Q02) Etwa um diese Zeit muss sich mein Vorfahre mütterlichseits Paul Chalupner, geboren am 6. Jänner 1818 in Trautmanns, auf die Reise nach Wien gemacht haben, wo er als Tischler arbeitete und später als Tischlermeister eine riesige Tischlerei besaß. Er wohnte auf Hausnummer 13 (das Haus steht heute nicht mehr) am südlichen Ortsanfang der Gemeinde. Seine Mutter Maria gab bei seiner Geburt den Vater nicht an und war unverheiratet. Das war zu dieser Zeit häufiger. Die Familie kann bis ins 16.Jahrhundert in dieser Gemeinde zurückverfolgt werden und bewohnte in dieser Zeit als "Inmann" viele verschiedene Häuser des Ortes. Der Schwiegervater ihres Vaters Joseph Chalupner, der mit Johanna Schimak verheiratet war, ein Georg Schimak, wurde laut Sterbebucheintrag 96 Jahre alt (1681-1777). Auch andere Verwandte wurden sehr alt. Ich schließe daraus, dass die Gegend zu dieser Zeit von Kriegswirren ebenso wie von schlimmen Seuchen verschont geblieben ist. Der Vater von Joseph Chalupner war Sebastian Chalupner (*um 1730), der mit Mariana Hoffelner verheiratet war - eine der größten Familien im Ort (neben der Familie Murtinger). Der Vater von Sebastian war Mathias Chalupner (* um 1700).
Trautmanns, war in Büchern früherer Jahrhunderte auch unter vielen anderen Namen und in anderen Schreibweisen zu finden:




Aus "1835 - Das Königreich Böhmen im Kapitel >Herrschaft Krumau< ab Seite 203 bzw. 219": Das der Prälatur oder Erzdechantei gehörige Dominum hat nach der neuesten Katastralausmessung eine Area von 14.551 Joch, oder eine österreichische Quadratmeile und 4.551 Joch. Besitzt die Dörfer: .... Trautmanns (Trautmanice) ...
In dem Buch "Das Königreich Böhmen: bd. Budweiser kreis. 1841" ist auf Seite 146 zu lesen, dass das fremdherrschaftliche Dorf Trautmanns (Prälatgut Krumau) zum Sprengel der Pfarre "Zur heiligen Dreifaltigkeit" gehörte. U.a. gehörte auch Sitzkreis dazu (in der "Filialkirche" findet sich ein Grabstein aus 1687 eines Adeligen aus Sitzkreis: Ritter Johann Benschowetz von Benschow, Herr auf Sitzkreis). In der Kirche war bis zu einem Brand 1828 eine Glocke mit der Inschrift 1261. Den Errichtungsbüchern zufolge hatte sie bereits 1314 einen eigenen Pfarrer. Über das Leben zu dieser Zeit ist zu lesen: Die Einwohner leben von der Landwirtschaft und Gewerben. Auf den drei Jahrmärkten (Montag nach Dreifaltigkeit, Montag nach Maria Himmelfahrt und an Franz Ger.) findet in 70 Buden und Ständen ein ziemlich lebhafter Verkehr statt. Von besonderer Wichtigkeit aber sind die wöchentlichen Viehmärkte am Mittwoch, auf welche im Durchschnitt über 500 Stück Rindvieh, nebst Pferden, Schafen, Schweinen und Ziegen gebracht und nach dem benachbarten Österreich verkauft werden.
Das Dorf wurde später "nach Schweinitz eingepfarrt", also der Stadt Schweinitz im Budweiser Kreis des Königreichs Böhmen des Kaiserreichs Österreich (Österreich-Ungarn) zugeordnet, womit die Krummauer Herrschaft endete. Die Pfarrbücher der zuständigen Pfarre Schweinitz (cz Svíny, später Trhových Svin, Trhové Sviny, Trhových Svinů) im Kreis Budweis umfassten die Orte: (Die Angaben über Häuser und Einwohner stammen aus dem Buch "Historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Budweis" aus 1862, Q19-Seite 375):
Die der Marktgemeinde Schweinitz eingemeindeten Orte waren früher größtenteils der Dom. Prälatur (fürstl.) Krummau "unterthänig", wie Trautmanns (vollständig), teilweise aber gab es Zuordnung zu Dom. Gratzen, Dom. Wittingau und einzelnen Dom. Gütern.
Trautmanns hatte um 1862 auch eine Pfarrschule. Trotzdem unterschrieben die meisten Ehepaare und Trauzeugen in den Kirchenbüchern mit 3 Kreuzen. 16. Jh. (aus Stammbaum Fam. Sassmann - siehe auch unten Haus 37): Fenclovi z Trutmaně, Michal z Trutmaně (Michal Nest), Urbana z Trutmaně Die Zuständigkeit des Dorfes Trautmanns änderte sich ab 1869 ständig (siehe "Quelle"):

(ab etwa 1800, Quelle: Kirchenbücher)
Ereignis (E): G=Geburt, T=Taufe, S=Sterbeeintrag, W=Wohnort
Auf der Homepage des Fördervereins der Pfarrkirche Sonnberg finden sich noch hochinteressante Informationen zu Trautmanns:
Ich habe in obiger Tabelle die Namen der Bewohner aus 1945 ergänzt, um den Weg einfacher rückverfolgen zu können - ich hoffe, der Förderverein, den ich noch anschreiben werden, nimmt mir das nicht übel.
Aktuelle Adressen habe ich gefunden im tschechischen Telefonbuch. Der Ort scheint die Anschrift von Sitzkreis zu besitzen: 374 01 Čížkrajice.
Noch ein "Chalupner" aus dieser Region: Auf "CHALUPA, Gustav (1925-2010) - Kohoutikriz.org" ist ein Artikel von Gustav Chalupna zu finden, der über seine Mutter berichtet, die 1925 in Sonnberg unterrichtet hat. Geboren wurde er 1925 in Českých Budějovicích 9 (Budweis). Gestorben ist er am 5. September 2010 in Baden bei Wien.
Herbert Fischer, Wien, Stand der Forschungen 25. Dezember 2010
| Besitzer des Originals bzw. der Vorlage | Herbert Fischer |
| Datum | 25 Dez 2010 |
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